Fr, 04.06.2021
IGC: Aufschwung wird Getreideverbrauch stärken
Die Lockerung der Pandemie-Beschränkungen dürfte den Verbrauch von Getreide für Biokraftstoffe und Nahrungsmittel 2021/22 antreiben, aber nicht überall auf der Welt. Die Prognose für den weltweiten industriellen Einsatz von Getreide 2020/21 wurde gegenüber der vorangegangenen Quartalsschätzung um 2,6 auf 360,6 Mio. t angehoben, was v.a. auf eine höhere als zuvor erwartete Verwendung von Mais für Ethanol in den USA, Brasilien und China zurückzuführen ist. Obwohl sich die globale Verwendung von Getreide für Ethanol von dem pandemiebedingten Einbruch etwas erholt hat, bleibt die Prognose etwa 7 % unter dem vorherigen Höchststand, hauptsächlich aufgrund von Verbringungsbeschränkungen in einigen Ländern im Laufe im Wirtschaftsjahr 2020/21. Die Herstellung von Stärke war weniger von Corona betroffen, da die verarbeitenden Sektoren größtenteils unbeeinträchtigt blieben, aber der wirtschaftliche Abschwung hat die Nachfrage nach einigen Industrieprodukten gedämpft, so wird die Verwendung von Stärke für 2019/20 und 2020/21 als weitgehend stabil eingeschätzt. Die Wiedereröffnung des Gastgewerbes in einigen Ländern und die Wiederaufnahme großer Sportereignisse sorgen für einen Aufschwung der Nachfrage nach Bier und Alkohol, die 2020/21 wieder das Niveau von vor zwei Jahren erreichen dürfte. Während die Einführung des Impfstoffs den Optimismus für eine Rückkehr zu einer normaleren Konsumtätigkeit in den kommenden Monaten steigert, wird der Nachfrageausblick immer noch durch die Pandemie getrübt, da die Virusfälle in einigen Ländern weiterhin hoch sind und sich neue Varianten der Krankheit weiter ausbreiten. Die wirtschaftlichen Bedingungen zeigen Anzeichen eines Aufschwungs, wobei in einigen Ländern eine starke Beschleunigung der Aktivität zu beobachten ist, da die Abriegelungsmaßnahmen gelockert werden und die staatlichen Konjunkturmaßnahmen greifen. Es wird jedoch erwartet, dass die Erholung weltweit uneinheitlich ausfallen wird. In den Regionen, die noch immer von weit verbreiteter Ansteckung betroffen sind oder bei der Einführung von Impfungen hinterherhinken, wird die wirtschaftliche Lage möglicherweise relativ gedämpft bleiben. Darüber hinaus besteht das Potenzial
für länger anhaltende Veränderungen im
Verbraucherverhalten, wie z. B. vermehrte Heimarbeit oder freiwilliges soziales Fernbleiben, was die Nachfrage nach einigen Industrieprodukten beeinflussen könnte. Ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage in einigen Ländern wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückkehrt, war z.B. die wöchentliche Ethanolproduktion in den USA Mitte Mai, die höchste seit März 2020. Die Produktion wird durch die steigende Kraftstoffnachfrage aufgrund der zunehmenden Fahrzeugnutzung sowie durch günstige Gewinnmargen für Ethanolproduzenten unterstützt, die teilweise auf feste Exporte und Preise für DDGS zurückzuführen sind. Während China deutlich weniger DDGS aus den USA gekauft hat, haben die gestiegenen Lieferungen in andere Destinationen dies fast kompensiert, allen voran in die EU, die Türkei und eine Reihe von Märkten in Südostasien. Erste Prognosen für die industrielle Getreidenutzung 2021/22 deuten auf ein Gesamtwachstum von 3 % auf einen Rekordwert von 370 Mio. t hin. Die Nachfrage nach Ethanol wird 4 % höher angesetzt als 2020/21, läge aber mit 189 Mio. t, einschließlich der Nicht-Kraftstoff-Verwendung, immer noch etwas unter dem bisherigen Höchststand von 2017/18. Das Wachstum bei der Stärkeverwendung wird mit 1,4 % etwa halb so hoch wie im langfristigen Durschnitt der Jahre 2013/14 bis 2018/19 gesehen, wäre aber mit 144 Mio. t dennoch Rekord. Der Verbrauch für die Mälzereien und Destillen wird mit 35,9 Mio. t voraussichtlich leicht über dem Niveau von vor der Pandemie liegen, aber aufgrund einer längerfristigen Verschiebung der Verbrauchernachfrage weg von Bier hin zu anderen Getränken voraussichtlich nicht wieder die historischen Höchstwerte erreichen
